Mein Externat – Ein Zwischenbericht

Meine sechste Woche im außerklinischen Praxiseinsatz endet mit einer Geburt. Es ist ein Sonntag Morgen. Kurz nach 7 Uhr klingelt mein Handy und ich sehe verschlafen Noras Namen auf dem Display. Das kann nur eines bedeuten, ich bin hellwach. Eine Geburt hat begonnen und ich darf mit.

Aufgeregt falle ich aus dem Bett in die erstbesten Klamotten, die ich fassen kann, Zähne putzen, Schuhe an und los. Auf dem Weg organisiere ich mir kurz vor knapp noch einen Kaffee und Croissant. Ungewiss was mich erwartet, versuche ich bestmöglich vorbereitet zu sein. Weg mit der restlichen Müdigkeit und dem morgendlichen Hunger.
Angekommen ist es zunächst sehr ruhig. Stille, die nur ab und an durchbrochen wird von sanftem Tönen. Die Gebärende ist ganz bei sich. Auf Zehenspitzen finde ich meinen Platz neben Nora, die den bisherigen Verlauf dokumentiert und mir mit einem Blick zu verstehen gibt, dass es noch dauern kann. Schließlich geht dann doch alles schnell.
Im muckeligen, dunklen Bad, in der Wanne, gebärt die Schwangere ganz selbstbestimmt mit Freude und im eigenen Rhythmus, mit Geduld und Hingabe und nimmt ihr Kind in Empfang. Die Atmosphäre ist bewegend, kaum in Worten zu beschreiben, wie sehr der Raum mit Freude, Liebe und Dankbarkeit gefüllt ist.

 

 

Seit Beginn meines außerklinischen Einsatzes im August konnte ich die Familie bereits im Rahmen der regelmäßigen Vorsorgen und Gespräche kennenlernen und begleite sie nun im Wochenbett noch ein Stück auf ihrem Weg. Das ungewohnte Gefühl, welches ich anfangs hatte – die fremde Beobachterin zu sein – wich einer Neugier, Offenheit, einer langsam wachsenden Vertrautheit und einem Gefühl der Verbundenheit. Die Familie ließ mich teilhaben an ihren Sorgen und Ängsten, den Herausforderungen und der Entwicklung. Leid, ebenso wie Freuden wurden auch mit mir geteilt.

 

Den Verlauf dieser Schwangerschaft zu beobachten, eine Verbindung mit der Familie einzugehen, die mir das Vertrauen geschenkt hat, bei der Geburt ihres Kindes dabei sein zu dürfen und schließlich die Familie mit einer gesunden Mutter* und ihrem gesunden Kind im Wochenbett zu erleben, ist für mich von unschätzbarem Wert.

 

Diese Familie steht exemplarisch für alle Familien, die ich gerade während meines Einsatzes bei Lena und Nora kennenlernen und mit begleiten darf. Dieser außerklinische Einsatz gibt mir enorme Kraft und Halt und schenkt mir Vertrauen für meine zukünftigen Einsätze im Kreißsaal. Denn um zu erkennen, wann in der Schwangerschaft, während der Geburt und im Wochenbett Hilfe wirklich nötig ist, brauche ich die Fähigkeit und das Vertrauen in die Gesundheit. Das lerne ich gerade jeden Tag.

 

TEXT: VALEEN KÖLLING
FOTO: DANNY MERZ

 



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