Lass mal ´n Geburtshaus gründen

 

 

PART I

 

Was bisher geschah...

Für alle die sich schon einmal gefragt haben wie es eigentlich dazu kam, dass Hamburg ein neues Geburtshaus bekommt, hier ein “kurze” Zusammenfassung der letzten Monate…

Die Idee ein Geburtshaus zu gründen, spukte einigen von uns schon eine Weile im Kopf herum. Im September 2019 wurde dann zu einer ersten Infoveranstaltung im Geburtshaus Hamburg zum Thema Geburtshaus Gründung eingeladen.

Aus diesem ersten Treffen ergab sich eine aktive Arbeitsgruppe, die als ersten Schritt einen gemeinnützigen Verein gründete: Neues Geburtshaus für Hamburg e.V. Für komplette Neulinge im Vereinswesen übrigens ein erstaunlich kompliziertes Unterfangen. Zum Glück hat das Netzwerk der Geburtshäuser e.V. uns hier (und auch in vielen anderen Bereichen) tatkräftig unterstützt. https://www.netzwerk-geburtshaeuser.de/

 

Die Idee der Vereinsgründung entstand durch den Wunsch, unserer Arbeitsgruppe eine Rechtsform zu geben und die Möglichkeit zu haben, Spenden für unser Vorhaben zu sammeln. Mittlerweile ist unser Verein gut gewachsen, wir konnten ordentliche Mitglieder und Fördermitglieder begrüßen. Falls ihr mehr über unseren Verein wissen oder selbst Mitglied werden möchtet, schaut mal hier vorbei: https://www.neues-geburtshaus-hamburg.de/

 

 

Interessant zu wissen ist wahrscheinlich die Tatsache, dass wir uns alle erst durch die Gründungsarbeit kennengelernt haben und somit zu Beginn quasi als  ”Unbekannte” an einem Tisch saßen. Wie es so oft der Fall ist, hat sich im Laufe der Zeit die Zusammensetzung der Gruppe noch einige Male geändert, neue Menschen kamen hinzu und andere wandten sich anderen Lebensabschnitten und Aufgaben zu. Auch in Zukunft freuen wir uns über weitere Menschen mit neuen Ideen und Energie, um dieses Projekt voran zu bringen.

In der Anfangszeit des Projektes haben wir uns etwa alle 2 Wochen getroffen und in der Zwischenzeit Arbeitsaufträge bearbeitet. Mit Beginn der Corona-Pandemie  wurden unsere Treffen regelmäßiger, liefen aber überwiegend über Zoom. Zu diesem Zeitpunkt haben wir auch beschlossen, uns in kleinere Arbeitsgruppen aufzuteilen: Konzept und Businessplan, Immobilie und Social Media.  

Die Verschnaufpause zwischen den ersten beiden Corona-Wellen haben wir genutzt um uns in einem kleinen Retreat über einige grundlegende Dinge klar zu werden. Unter großem Jubel konnten wir uns endlich auf einen Namen für das zukünftige Geburtshaus einigen: Haus für Geburt und Gesundheit! Auch wenn unsere Namen-Brainstorming-Sessions immer sehr amüsant waren, war es eine große Erleichterung einen grünen Haken hinter die Namensfindung zu setzen!

 

Konzept und Businessplan

Die Konzept und Businessplan-Gruppe hat unglaublich wertvolle Arbeit geleistet und sich so einige Nächte um die Ohren gehauen, um an den großen und kleinen Zahlen zu tüfteln. Das Ergebnis ist ein ausführlicher Businessplan, 12 Seiten, angelegt für die ersten drei Jahre, der es uns ermöglicht verschiedene Einnahmen und Ausgaben zu berechnen, um z.B. abzuschätzen welchen Mietpreis wir uns leisten können, wie viel Fremdkapital wir benötigen und mit welchen Auszahlungen an die Partner*innen wir nach der Eröffnung rechnen können. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Felix Getzmann!

Der Businessplan ist eng verwoben mit dem Konzept, welches hinter unserem Geburtshaus steht. Relativ früh in der Projektentwicklung wurde klar, dass wir ein Geburtshaus gründen möchten, welches aktiv dazu beiträgt, Barrieren abzubauen und den Zugang zu Gesundheitsförderung niedrigschwellig, kultursensibel und breitgefächert zu ermöglichen. Wichtige Bestandteile des Konzepts sind Wochenbett- und Schwangerschaftsambulanzen, das Hinzuziehen von Sprachmittler*innen sowie Beratungs-, Kurs- und Fortbildungsinhalte über die gesamte reproduktive Phase – von Pubertät bis Menopause. Unser Geburtshaus hat die Idee, Gesundheit ganzheitlicher zu denken, feministisch und selbstbestimmt.

Jetzt wo der Businessplan und das Konzept stehen, geht es darum Kontakte zu knüpfen mit möglichen Kooperationspartner*innen und die Verhandlungen mit der Politik und der Behörde für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration zu finalisieren. 

 

 

Immobilie

Da wir als Gruppe ziemlich verstreut in Hamburg wohnen, haben wir zunächst versucht herauszufinden welche Stadtteile für uns alle gut zu erreichen sind. Schnell mussten wir feststellen, dass sich die “Lieblingsbezirke” kaum überschneiden. Der nächste Ansatz war es dann, die Stadtteile herauszusuchen, die besonders vom Hebammenmangel betroffen sind und die zudem noch maßgeblich von unserem niedrigschwelligen, kultursensiblen und mehrsprachigen Ansatz profitieren würden. Daraus resultierend haben wir dann ein besonderes Augenmerk auf den Bereich Hamburg-Mitte gelegt und waren unter anderem auch in Verhandlungen für Flächen in Rothenburgsort und Hammerbrook. Allerdings ist unsere Suche noch nicht vorbei. Die hohen Mietpreise, unsere sehr spezifischen Anforderungen z.B. in Bezug auf Flucht-und Rettungswege und die häufig zögerliche Einstellung der Eigentümer*innen machen es weiterhin spannend.
Mit jeder gefundenen, scheinbar passenden Immobilie keimt die Hoffnung, im Herbst eröffnen zu können. Wir sind weiterhin motiviert und mit vielen Menschen im Gespräch. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Saskja Jagenteufel (Architektin) die uns eine wahnsinnig gute Hilfe ist.

 

Social Media / Graphic Design / Webseite

Vor dieser Mammutaufgabe standen wir so einige Zeit herum, bis wir durch fachliche Unterstützung, vor allem von Anna Mohme, uns unseren Weg in den Social- Media-Dschungel gebahnt haben. Mittlerweile haben wir ziemlich Spaß an der Sache! So richtig schön wurde es dann, als Danny Merz zu uns gestoßen ist, die durch ihre Fotografie unsere Geschichte bebildert. Außerdem ist sie ein Ass, wenn es um Social Media und Webseitengestaltung geht. 

Danny wird auch nach der Eröffnung eine große Rolle in unserem Team spielen, sie wird unter anderem Geburten fotografisch begleiten, schaut mal was sie Tolles kann: https://geburtsreportage.de/

Und falls ihr euch schon einmal gefragt habt, woher wir so tolle Logos haben: das elegante NGH Logo vom Verein Neues Geburtshaus für Hamburg hat Filine Fink entworfen und unser geliebtes Logo für das Haus für Geburt und Gesundheit ist von Melanie Kollath.
Melli hat uns auch mit dem Website Design und der Flyergestaltung unterstützt, vielen Dank!

 

 

Die Aufteilung in Arbeitsgruppen war sehr effektiv, hat jedoch auch zu einigen Konflikten geführt, denn die Frage, wer was wann wem zurückmeldet und welche Entscheidungen in welcher Konstellation getroffen werden sollten, war nicht immer leicht zu klären. Als Gruppe haben wir uns dafür ausgesprochen, möglichst horizontal zu arbeiten, was allerdings schwierig war, da einige mehr Zeit in die Gründungsarbeit investieren konnten als andere.

Unser Fazit: wenn Menschen, die sich vorher nicht kennen, unter Pandemie-Bedingungen, in der nicht vorhandenen “Freizeit” unbezahlt ein Geburtshaus gründen, ist es nicht einfach, aber durchaus bereichernd! Professionelle Supervision-Sessions können wir übrigens wärmstens empfehlen. 🙂

 

 

In den letzten Wochen hat sich unsere Zusammenarbeit noch einmal verändert. Zum einen, weil die großen Bausteine Businessplan und Konzept fürs Erste abgeschlossen sind, und zum anderen durch die Gründung unserer Partnerschaftsgesellschaft (PG). Momentan sind wir vier Hebammen, die ab Eröffnung im Geburtshaus arbeiten werden und daher gemeinsam eine PG bilden. Mit der PG-Gründung wurde uns klar, dass jetzt wo es immer konkreter wird, Teile der Gründungsarbeit im kleineren Kreis stattfinden müssen. Hier geht es zum Beispiel um Bankkredite, Finanzierungsmöglichkeiten, Abrechnungssysteme, Qualitätsmanagement, Verhandlungen mit potenziellen Vermieter*innen, Gespräche mit potentiellen Hebammenkolleg*innen und vieles mehr. Wir “PGler*innen” sind jetzt sozusagen in der heißen Phase angekommen und verbringen immer mehr Zeit beim gemeinsamen Arbeiten, meistens noch per Zoom.  

Natürlich sind wir dennoch im regen Austausch mit dem ganzen Team welches uns im Namen unseres gemeinnützigen Vereins unterstützt, alleine würden wir es nicht schaffen! Danke an alle, die sich mit so viel Herzblut an diesem Projekt beteiligen, die vielen positiven Reaktionen auf unser Vorhaben geben uns Mut und Kraft und steigern täglich unsere Vorfreude auf den großen Tag, an dem wir unsere Türen öffnen und mit euch allen gemeinsam feiern können! 

 

TEXT: NORA NABER
FOTOS: DANNY MERZ

 



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