25 Juni Meine Geburt, wie ich sie mir immer gewünscht habe.
Meine Geburt, wie ich sie mir immer gewünscht habe.
Ich war bereits bei ET+9, als ich meinen letzten Vorsorgetermin bei Nora hatte. Zu dem Zeitpunkt wusste ich natürlich noch nicht, dass es mein letzter Termin sein würde.
Ich war mental super fertig. Ich hatte große Sorge, dass es wieder zu einer Einleitung mit allen Interventionen, wie bei meinem ersten Sohn kommt, und dass ich nicht die Traumgeburt im Geburtshaus haben würde, die ich mir doch so sehr gewünscht habe.
Es wurde ein CTG geschrieben, das nur eine kleine Wehe zeigte.
Nora untersuchte mich nochmal vaginal und stellte fest, dass der innere Muttermund schon bei 2 cm geöffnet war. Der Gebärmutterhals war noch immer bei 1,5 cm und generell war der innere Muttermund immer noch nach hinten. Das Köpfchen könnte immer noch etwas tiefer kommen. Aber sie konnte immerhin eine Eipollösung machen, was ein paar Tage zuvor noch nicht geklappt hat. Kurz darauf hatte ich etwas Schleim in meiner Unterhose.
Die leichten Wehen wurden ab mittags auch etwas mehr. Aber sie fühlten sich immer noch sehr leicht an, ein einfach Hartwerden des Bauches. Abends musste ich dann gegen 21 Uhr auf Toilette. Ich spürte auf einmal ein kleines „Plopp“ am Muttermund und daraufhin kam ein schleimiger Blutpfropfen, der direkt im Klo landete. Und ein bisschen davon hatte ich im Toilettenpapier. Ich kontaktierte Lena und sie vermutete, dass es ein Blasensprung war. Wir verabredeten uns für den nächsten Morgen einmal zu telefonieren.
Abends / nachts wurden die Wehen dann auch stärker. Teilweise auch sehr kurze Abstände (5 – 10 Minuten), dann aber wieder länger werdend. Zum Morgen hin dann eher alle halbe Stunde bis Stunde. Ich war schon wieder frustriert, weil es damals beim Großen genauso war, dass ich nachts Wehen hatte und dann zum Morgen wieder alles vorbei war. Es schien sich alles genauso zu wiederholen. Nachdem ich mit Lena telefoniert hatte, verabredeten wir uns im Geburtshaus. Wir testeten, ob es wirklich ein Blasensprung war (der Test war positiv), da ich in diesem Fall vor Ablauf von 24 h Antibiotikum nehmen müsse, um weiterhin im Geburtshaus zu gebären.
Wir schrieben noch ein ctg und ich bekam starken Wehentee und eine anregende Bauchmassage mit dem UT-Öl. Sie untersuchte mich vaginal und wir stellten fest, dass mein Muttermund schon 3-4 cm geöffnet war.
Da wir den Großen dabei hatten, beschlossen wir, über Mittag nochmal nach Hause zu fahren. Wir wollten ihn erst versorgt wissen, bevor wir dann ins Krankenhaus für die Antibiotika Gabe fuhren. Ich hatte in der Zwischenzeit zu Hause auch 2-3 Wehen, die ich doller veratmen musste.
Wir machten uns dann um 15:30 Uhr auf den Weg ins Marienkrankenhaus. Als wir um 16 Uhr dort ankamen, wurde erst mal wieder ein ctg geschrieben. Das ctg zeigte Wehen in Abständen von 10 Minuten. Während wir im Wartezimmer auf den Arzt warteten, der mir das Antibiotikum geben sollte, sind meine Wehen auch intensiver geworden. Anschließend besprachen wir mit Lena, dass wir ins Geburtshaus fahren sollen, wo uns Nora in Empfang nehmen sollte, da ihre Rufbereitschaft begann, um die Geburt voranzubringen. Wir kamen um 18:40 Uhr im Geburtshaus an.
So richtig klar war mir da noch gar nicht, dass das nun wirklich unser Geburtsbeginn sein würde und wir im Geburtshaus bleiben würden.
Als wir ankamen, meinte Nora, dass wir es uns erstmal gemütlich machen sollten. Also holte mein Mann die Tasche mit all den Sachen und machte erstmal meine Playlist an. Nora fragte mich, wonach mir ist, ob ich lieber ausruhen möchte oder aktiv etwas tun möchte, um die Wehen voranzutreiben. Ich wollte aktiv werden. Also schlug sie vor, auf den Pezziball zu gehen, Becken zu kreisen und zu kippen und für eine halbe Stunde Brustwarzenstimulation zu machen.
Das wirkte gut. Die Wehen wurden tatsächlich regelmäßiger, aber immer noch relativ kurz. Nora ließ uns erstmal alleine und kam nach der halben Stunde wieder rein. Sie schlug vor, das noch 15 Minuten weiter zu machen und anschließend Treppen zu steigen. Als sie wieder kam, stand ich auf und wollte mich gerade fürs Treppensteigen vorbereiten, lief nochmal etwas umher und naschte von unserem mitgebrachtem Essen, um noch etwas Energie zu tanken. Doch dann platzte filmreif meine Fruchtblase. Es lief mir komplett warm die Beine runter.
Ich bin dann doch keine Treppen gestiegen, sondern einfach im Zimmer etwas auf und ab gelaufen. Das kurbelte auf jeden Fall die Wehen an. Irgendwann schlug Nora vor, dass ich mich vor das Bett hinknien sollte und mich mit dem Oberkörper auf dem Bett abstützen sollte. Auch das fühlte sich stimmig an, also machte ich es. Dabei kreiste ich auch immer ein wenig mein Becken. Die Wehen kamen regelmäßig.
Irgendwann sagte Nora, dass ich jetzt auch in die Wanne könne, wenn ich wollte. Und ob ich wollte. Zuerst lag ich dort nach hinten gelehnt und vertonte die Wehen, die intensiver wurden. Irgendwann wurde es in dieser Position jedoch unangenehm im Rücken. Also wechselte ich auf die Knie. Hier wurden die Wehen auch nochmal intensiver. Ich wehte so vor mich hin, bekam schmerzlinderndes Gel auf den Rücken und warme Handtücher für den Rücken.
Irgendwann bekam ich am Rande mit, dass Nora die zweite Hebamme Antonia kontaktierte. Sie solle sich auf den Weg machen. Ich fragte nicht nach, wertete das aber als gutes Zeichen, dass es gut voran ging. Denn ich wusste, dass die zweite Hebamme zur Geburt immer dazu geholt wird. Während der gesamten Zeit war Nora mit uns im Raum, gab hin und wieder einen Tipp und rief mir bestärkende Worte zu. Es tat so gut zu wissen, dass sie da war und mich unterstützte, aber gleichzeitig den Raum ließ, alles so zu machen, wie ich es brauchte. Sie bestärkte mich in meiner eigenen Kraft. Außerdem hörte sie nach den Wehen immer mal wieder nach Herztönen meines Babys, die zu jeder Zeit gut waren.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir keine vaginale Untersuchung gemacht. Nora schlug vor, einmal nachzusehen, was ich sehr gerne wollte. Dann die Überraschung: der Muttermund war fast vollständig geöffnet bei 9 cm. Es war nur noch ein kleiner letzter Rest. Sie schlug vor, diesen in der nächsten Wehe sanft hinter das Köpfchen zu schieben. So machten wir es. Es klappte!
Es war so gegen halb 12 und ich war so überrascht, dass alles scheinbar so mühelos und relativ schnell voran ging. Es fühlte sich alles so „machbar“ an und ich hätte gefühlt noch eine ganze Weile so weiter machen können. Irgendwie konnte ich aber immer noch nicht realisieren, dass wir unter Geburt waren.
Ich wechselte wieder auf die Knie in der Wanne. Nora meinte, dass die Wehen noch etwas Fahrt aufnehmen könnten und ich jederzeit mit pressen/schieben könnte, wenn ich das Gefühl hätte, es tun zu wollen. Ich testete ein wenig rum, aber so richtig wusste ich noch nicht, wo ich hinschieben sollte. Nora gab mir nach jeder Wehe ein homöopathisches Mittel, als kleinen Wehenbooster. Irgendwann schlug sie vor, aus der Wanne rauszukommen. Das fühlte sich für mich stimmig an. Ich wollte zwar eine Wassergeburt, aber ich fand nicht so richtig eine Position in der Wanne, die sich gut anfühlte. Außerdem war mein Mann irgendwie so weit weg. Dass die Wanne zwischen uns war, störte mich auf einmal
Schon das Rauskommen aus der Wanne war „heftig“. Auf einmal war da wieder die Schwerkraft und so ein immenser Druck nach unten.
Ich ging vor dem Bett auf die Knie und in die Hocke. Die Wehen schienen wieder schwächer zu werden. Nora und Antonia gaben mir eine Kirsch-Apfelschorle, für etwas „Zucker“ und Energie.
Dann schlugen sie vor, nochmal zur Toilette zu gehen. Schon der Weg dahin war von heftigen Wehen begleitet. Auf der Toilette kam dann auch eine so krasse Wehe, dass ich dachte, ich bekomme mein Kind jetzt auf dem Klo. Meine erste Presswehe (da ich beim Großen eine PDA hatte, wusste ich nicht, wie sich eine Presswehe anfühlt. Das war das heftigste, das ich je erleben durfte! So eine gewaltige Urkraft! Wow!!) Also schnell wieder runter. Ich wollte auf den Gebärhocker, weil ich auf der Toilette gemerkt hatte, dass sich die Position gut und richtig anfühlt.
Auf dem Gebärhocker konnte ich schon gut mitschieben. Allerdings meinte Nora, dass wir nochmal etwas Fahrt aufnehmen müssten und die Vulva sehr anschwillt, wenn man zu lange in dieser Position bleibt. Also wieder aufstehen, um rumlaufen und bei jeder Wehe mit Hilfe meines Mannes in die Hocke gehen. Das machten wir gefühlt 2-3 mal. Ich kam fast nicht mehr hoch nach den Wehen und dachte, der Kopf steckt schon zwischen meinen Beinen (war aber noch nicht so).
Die Presswehen wurden richtig heftig und alle zusammen begleiteten mich zurück auf die Matte vors Bett. Ich weiß gar nicht mehr, wo mein Mann dann stand. Ich glaube hinter mir.
Jedenfalls war ich dann dauerhaft in der Hocke und die Presswehen überrollten mich regelrecht. Das Köpfchen wollte raus. Und Halleluja! Das tat unfassbar weh.
Ich weiß noch, dass ich die ganze Zeit gesagt habe „aua aua, das tut so weh!!“ Der Ring of Fire macht seinem Namen wirklich alle Ehre! Ich dachte, es zerreißt mich! da war so ein krasser Schmerz und Druck! Ich wollte nur, dass es aufhört. Antonia (die zweite Hebamme) war die ganze Zeit neben mir und gab mir so viel Kraft mit ihren Worten. Nora stand vor mir und gab mir auch Kraft. Sie sagte immer wieder, dass ich es gleich geschafft habe und mein Baby in den Händen halten werde. Und plötzlich ließ dieses Brennen nach. Das Köpfchen war geboren. Nora sagte, dass der Rest gleich kommt und ich auf die nächste Wehe warten könnte. Die auch schon direkt kam. Und der restliche Körper flutschte in einem raus.
Und von jetzt auf gleich waren all die Schmerzen und alles wie weggeblasen. Mein Baby schrie und ich nahm es in meine Arme. Dann legten wir uns ins Bett. Nora bemerkte dann, dass er Unterstützung bei der Atmung braucht und wurde von ihr mit 2-3 Pumpstößen beatmet. Dann schrie er ganz kräftig und hatte auch direkt eine super Sättigung. Er brauchte einfach eine Moment länger, um richtig anzukommen und selbstständig zu atmen. Nora und Antonia haben so ruhig und souverän reagiert und gehandelt, dass ich nicht eine Sekunde in Sorge war. Ich wusste, dass alles gut ist. In meiner Vorbereitung auf die Geburt habe ich auch schon öfter mal gelesen/gehört, dass manche Babys etwas Unterstützung brauchen am Anfang.
Dann haben wir uns aufs Bett gelegt und ganz viel gebondet. Nora hat mir die Spritze gegeben, die der Plazenta half, sich zu lösen. Daraufhin habe ich ebenfalls in der Hocke die Plazenta geboren. Kurz darauf haben wir auch schon das erste Mal angelegt und gestillt, was direkt echt gut geklappt hat. Nora und Antonia haben sich zurückgezogen, dass wir uns erstmal in Ruhe kennenlernen konnten.
Erst danach wurde von meinem Mann die Nabelschnur durchgeschnitten und Antonia machte einen wunderschönen Abdruck der Plazenta.
Nora untersuchte mich dann noch und stellte fest, dass ich einen Dammriss 1. Grades und ein paar Schürfungen hatte. Sie versorgte die Verletzungen (was überhaupt nicht schmerzhaft oder unangenehm war) und nahm sich dabei die Zeit alles ganz sauber und ordentlich zu machen und zeigte mir das dann auch nochmal, sodass ich sehen konnte, wie das alles aussah. Ich empfand das als sehr hilfreich.
Kurze Zeit später machte Nora noch die U1, bei der auch alles gut war, sodass wir im Anschluss auch schon nach Hause „entlassen“ wurden.
Ich bin immer noch so beseelt und glücklich, wenn ich an diese wunderschöne und kraftvolle Geburt denke!
Besonders dankbar bin ich dir, liebe Nora, dass du die ganze Zeit mit da warst und mir intuitiv mit deinen Vorschlägen und einfach deiner Anwesenheit das gegeben hast, das ich brauchte, um mich geborgen und sicher während der gesamten Geburt zu fühlen.
Danke auch an Antonia! Wir haben uns erst zur Geburt kennengelernt und du hast mir sofort so ein vertrautes Gefühl gegeben und mich so toll unterstützt!
Auch die gesamte Vorsorge war einfach so so schön! Ich habe mich auf jeden Termin gefreut!
Von Herzen auch danke an Lena, Eline und Güneş! Ich habe die Zeit immer so gerne mit euch verbracht.
Würde ich noch ein 3. Kind wollen, würde ich jederzeit wieder ins Geburtshaus gehen und kann nur jede Frau dazu ermutigen, es zu tun. Da ich sowohl eine Klinikgeburt mit allen möglichen Interventionen und dann eine (sehr heilsame) Geburt im Geburtshaus erleben durfte, kann ich sagen: Es ist nicht egal wo und wie wir gebären!!
Ein bisschen traurig, dass meine Zeit im Geburtshaus nun vorbei ist.
Aber ich halte die schönste Erinnerung gerade in meinen Armen!