Erfahrungsberichte

Die Erfahrungsberichte geben Einblick in die individuellen Erfahrungen von Gebärenden und Familien – so wie sie die Geburt erlebt und erinnert haben.

Wir waren bereits 9 Tage über unserem errechneten Termin und gefühlt hatte ich fast alle wehenfördernden, natürlich geburtseinleitenden Methoden für mich durchgespielt. Geburtseinleitende Akupunktur, Datteln, zügiges Spazierengehen, asymmetrisch auf dem Bordstein laufen, Kolostrum streichen (hat mich persönlich süchtig gemacht und so gut für die spätere Milchbildung), Treppen steigen und exzessiv putzen. Und trotzdem wollte unser kleiner Mann noch nicht zu uns stoßen.

Das Januarbaby ist unser zweites Kind. Schon ein paar Wochen vor der Geburt warte ich ungeduldig darauf, dass es endlich losgeht. Wie bei meinem ersten Kind habe ich das Gefühl, dass es vor dem errechneten Termin zur Welt kommen möchte – außerdem habe ich einfach keine Lust mehr, schwanger zu sein. Seit der siebten Woche muss ich mich ständig übergeben, häufig mehrmals am Tag, und nun wünsche ich mir, dass das bald ein Ende hat.

Die Wehen starten in der Nacht so zwischen 23 Uhr und 24 Uhr. Erst denke ich, es handelt sich um die “normalen“ Übungs- oder Senkwehen, die ich die Tage und Wochen zuvor abends öfter mal hatte. Ich wundere mich und denke „Komisch, das hört ja gar nicht auf. Langsam wird’s echt ein bisschen nervig.“ Ich will ja schlafen. Ich schaue immer wieder aufs Handy, wie die Zeit vergeht und ich einfach nicht einschlafe, weil dann doch immer wieder eine Wehe kommt. Irgendwann, so gegen halb vier / vier Uhr stehe ich auf. So langsam denke ich, vielleicht geht’s ja los mit der Geburt?

Viele Mütter in meinem Freundeskreis haben ihre erste Geburt während der Corona-Pandemie erlebt und leider oft unschöne bis hin zu traumatische Geburten gehabt. Ich war so dankbar für ihren Mut zur Ehrlichkeit. Somit konnte ich schon lange vor meiner ersten Schwangerschaft eine klare Vorstellung davon entwickeln, was mir für meine eigene Geburt wichtig ist. Einer der wenigen positiven Geburtsberichte in meinem Umkreis stammte von einer Freundin, die ihr Kind in einem Geburtshaus entbunden hat. Somit stand mein Wunsch schnell fest und ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich nach meinem positiven Schwangerschaftstest auf meine Anfrage ein „klar, wir haben noch freie Plätze“ vom Haus für Geburt und Gesundheit bekam.

Unser absoluter Wunsch war es, auch die Geburt im Geburtshaus zu erleben, aber dazu kam es nicht. Unsere Schwangerschaft verlief gesund & unauffällig. Routinemäßig hatten wir uns beim Partnerkrankenhaus / Marienkrankenhaus angemeldet & einen Infoabend besucht. Einfach, um den Ort schon einmal gesehen & gespürt zu haben. Mehr hatten wir uns aber nicht mit dem Thema der klinischen Geburt beschäftigt, da wir 100% davon ausgingen, dass alles im Geburtshaus stattfinden wird. (Im Geburtsvorbereitungskurs war eine klinische Geburt natürlich sehr präsent.) Und wie es so ist, kam dann doch alles anders.

Da ich damals bei meiner Tochter, nach tagelanger Einleitung im Krankenhaus, fiesen Sprüchen der Hebammen, einen Geburtsstopp und einen darauffolgenden Kaiserschnitt erlitt, war mir klar, das ich bei meinem 2. Kind alles anders angehen werde. Somit habe ich mich bei meiner 2. Schwangerschaft nach einem Geburtshaus umgeschaut und das Geburtshaus in Hamm gefunden. Dort wurde ich anfangs von zwei, später von drei wunderbaren Hebammen betreut und begleitet. Von Anfang an hat keine mir den Mut genommen, spontan zu entbinden, obwohl ich aufgrund meines vorherigen Kaiserschnitts viel Kontra und Missverständnis erhalten habe, vor allem von Ärzten.

5:30am – I had a good night’s sleep and woke up with a full bladder. Both boys were still asleep, so I tried to quietly get off the bed. While doing so, I accidentally wet myself a bit. It did not surprise me because during last trimester, when the head is down, this occasionally happens. I got back into bed to sleep another round, but while trying to find a comfortable position, I wet myself again. „Not again“ I thought and rolled my eyes, very annoyed and tired of being pregnant.

Es ist Frühling in Hamburg und der Stichtag für unser Baby ist der 9.5.24. Der Mai ist mein Lieblingsmonat. Daher fände ich es schön ein Maikind zu bekommen, aber ich habe auch seit Wochen keine Lust mehr schwanger zu sein und fühle mich seitdem der Geburtszeitraum für eine Geburt im Geburtshaus erreicht ist, bereit das Baby zu bekommen. Am 30.04. merke ich um 3.30 Uhr die ersten Wehen. Ich weiß, wie sich Wehen anfühlen, da ich bereits eine Tochter habe, welche zwar mit einem Kaiserschnitt geholt wurde, aber die Geburt begann auch damals mit Wehen. Die erste Geburt im Krankenhaus war geprägt von abwesendem Klinikpersonal und einer gut sitzenden PDA. Dass ich beim zweiten Kind ins Geburtshaus gehen würde, stand für mich seit Beginn der Schwangerschaft fest.

Die Geburt unseres Kindes beginnt an einem Montag. Ich bin gerade einige Tage in den Geburtszeitraum eingetreten, in dem wir im Geburtshaus gebären dürfen, als ich morgens auf der Toilette bemerke, dass der Schleimpropf abgegangen ist. Ein heißer Schreck durchfährt mich: So früh? Da es sich um unser erstes Kind handelt, bin ich davon ausgegangen, noch bis nach dem errechneten Geburtstermin Zeit zu haben. Ich habe doch noch so viele Dinge zu erledigen! Ich bin außerdem noch sehr gerne schwanger! Etwas mehr Zeit hätte ich eigentlich gerne noch mit meinem Bauch.

Dein errechneter Geburtstermin war der 22.06.2022. Du hast uns neun weitere Tage auf Dich warten lassen. Das Warten war schrecklich. Ich wollte Dich doch endlich in den Armen halten, habe mich gefühlt, wie ein Walross am Strand und die ständigen Fragen, ob es denn nun schon losgehe, haben ihr Übriges zu meiner guten Laune beigesteuert. Und dann ging es auf einmal irgendwie los… Am 01.07.2022 bin ich um fünf Uhr morgens aufgewacht, weil ich dringend mal auf die Toilette musste. Während ich so im Halbschlaf vor mich hin taumelte, nahm ich das erste Ziepen im Bauch und im Rücken wahr. Also verbrachte ich die Zeit auf dem Klo mit Fragen wie: „Geht es jetzt los oder doch nicht?“ und „sind das Wehen oder nur Schwangerschaftszipperlein?“

Ich stehe im Supermarkt, kurz vor der Kasse. Abgestützt an eine Kühltruhe. Ich weiß nicht mehr, ob Eis oder eher gefrorenes Gemüse darin war. Verträumt schaue ich in die Kühltruhe hinein, während Nicolas und Franca durch den Laden schwirren und nochmal einen Großeinkauf machen. Nicolas mag Großeinkäufe. Weil wir hungrig sind von der Wanderung und die Geburt jeden Moment losgehen könnte, ist der Einkaufswagen randvoll. Ich schiebe meine Langsamkeit auf die Wanderung und die Autofahrt, kann aber nicht logisch denken und lege immer wieder einzelne Dinge in den Einkaufswagen. Gemahlene Haselnüsse zum Beispiel, die kann man immer gebrauchen. Nicolas findet mich an der Kühltruhe und fragt, ob alles okay sei. Selbstverständlich ist alles okay und er geht weiter. Ich bleibe stehen und spüre ein Ziehen im Unterleib. Sehr verwandt zu dem Ziehen, was ich seit zwei Wochen immer wieder empfinde. Senkwehen, denke ich. Doch diese Wehe unterscheidet sich von den Wehen zuvor.

Ich wurde von leichten Unterleibsschmerzen geweckt und bin auf die Toilette gegangen. Irgendwas ist anders. Ich hatte in den letzten Nächten öfter mal Unterleibsschmerzen, aber die waren immer über einen längeren Zeitraum. Diese fühlten sich anders an. 1 Minute, dann waren sie wieder weg. 5 Minuten später, ich lag wieder im Bett, kam wieder dieser Schmerz. Ich begann also die vermeintlichen Kontraktionen zu tracken. Man weiß ja nie, dachte ich. Der Kleine und mein Mann schliefen noch und ich versuchte entspannt und ruhig zu atmen. Die Schmerzen waren regelmäßig, immer so um die Minute… Ich spürte plötzlich einen Druck im Darm und ging wieder auf die Toilette, das war das erste von 4 Mal diese Nacht, in denen ich mich entleeren musste. Die Schmerzen wurden intensiver.

Der Gedanke an eine weitere Schwangerschaft war schmerzlich, weil dieser mich direkt in die alte Geburt zurück katapultiert hat. Dieses Gefühl kam erst Monate bis Jahre später auf. Wahrscheinlich erst, als wir mit dem Gedanken gespielt haben, ein weiteres Kind zu bekommen. Ich habe diese Gedanken verdrängt und versucht mich mit dieser Erfahrung abzufinden. Nun wurde ich im Juli 2021 erneut schwanger. Ich konnte mich kaum freuen, da die Angst vor der Geburt sofort präsent war. Meine Hebamme erzählte mir davon, dass ich mich bei einer Hausgeburt oder Geburt im Geburtshaus besser aufgehoben fühlen würde. Ich kontaktierte direkt eine Hebamme für Hausgeburten. Mein großes Glück war, dass diese Hebamme sich mit einem Team ein zweites Standbein mit einem Geburtshaus aufgebaut hatte. So hatte ich alle Optionen offen.

Im Geburtshaus angekommen war eine wunderschöne ruhige und sanfte Atmosphäre. Es war schön warm und das Licht war sehr kuschelig. Ich habe mich direkt wohl gefühlt. Die Kontraktionen kamen ca. alle 4-5 Minuten und waren noch angenehm zu veratmen. Das TENS- Gerät hat mir sehr gut getan. Gegen 3 Uhr hat Nora begonnen den Pool bereit zu machen, aber dann wurden meine Kontraktionen weniger, bis sie irgendwann nur noch alle 15-25 Minuten kamen – also erstmal nicht in den Pool.

Ich bin fünf Tage über dem errechneten Geburtstermin und was soll ich sagen? Obwohl ich noch recht fit bin, fühle ich mich ziemlich überdrüssig und sowohl körperlich als auch emotional beschwert. Es ist als sei mein Bauch reif wie eine Melone, die kurz davor ist zu platzen. Nur der entsprechende Impuls lässt noch auf sich warten – schon gefühlt seit zwei Wochen.